EIN OSMANISCHER INTELLEKTUELLER, DER SEINEN TOD ABGEFASST HAT: BEŞİR FUAD

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Beşir Fuad ist ein osmanischer Intellektueller, der zwischen 1852 und 1887 in Istanbul wohnte und vielfältige Werke schrieb. Er entschied sich für einen ungewöhnlichen Tod und spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte.

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Beşir Fuad wurde als Sohn einer georgischen reichen Familie im Jahr 1852 geboren. Er begann mit seiner Ausbildung in der Fatih-Mittelschule. Als die Familie nach Syrien fuhr, machte er mit seiner Ausbildung in der jesuitischen Schule fort. Von 1867 bis 1870 besuchte er die militärische Hochschule Istanbul. Beşir Fuad, der den ganzen Bildungshintergrund  ein sehr erfolgreicher Schüler war, beherrschte Französisch wie seine Muttersprache. Nachdem er im Jahr 1871 die türkische militärische Akademie absolviert hatte, wurde er Adjutant des damaligen Sultans, Abdülaziz. Nach etwa fünf Jahren im Palast nahm er an Serbisch-Türkischem Krieg freiwillig teil, sowie Russisch-Türkischer Krieg 1877–1878 und Kretische Revolte 1878. Er blieb in Kreta etwa fünf Jahren und lernte auch Englisch und Deutsch. Dann kehrte er nach Istanbul zurück und von 1881 bis 1884 arbeitete er als Korvettenkapitän in vielfältigen Stellen.

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Endlich beendete Beşir Fuad seine militärische Karriere im Jahr 1884 und widmete sich der Literatur, für die er sich sehr interessiert hatte. Obwohl sein erstes literarisches Werk erst 1883 geschrieben wurde, wird das Jahr 1884 als Beginn seiner literarischen Karriere gezählt. Beşir Fuad schrieb intensiv und fruchtbar. Er schrieb für verschiedenen Zeitschriften über Naturwissenschaft, übersetzte Bücher, gründete zwei Zeitschriften, schrieb sowohl philosophische, wissenschaftliche, militärische Artikel für Zeitungen, als auch Artikel über Sprache, Sprachenlernen und Theaterkritiken. Schon in drei Jahren veröffentlichte er 16 Bücher und 200 Artikel. Außerdem stellte er den osmanische Intellektueller westliche Denker wie Emile Zola, Alphonse Daudet, Charles Dickens, Flaubert, Auguste Comte, Karl Georg Büchner, Herbert Spencer, Jean le Rond d’Alembert, Julien Offray de La Mettrie, Diderot, Claude Bernard, Gabriel Tarde usw. vor.

Beşir Fuad beschritt neue Wege in der türkischen Literatur. Er ist der erste Essayist in der türkischen Literatur, der erste türkischer Materialist, Biograph und Kritiker. Immer war er anders als andere Tanzimat-Intellektueller. In der Literatur war er ein Vertreter des Realismus und Naturalismus, und in der Philosophie war er ein Vertreter von Positivismus und Materialismus. Er kritisierte damalige romantische Tanzimat-Dichter und Autoren. Immer sagte er, dass man nicht gegen die Wissenschaft sein soll. Er stritt sich ständig vehement  über Literatur mit Menemenli Tahir und sogar gefiel ihm Namık Kemal nicht. Nur wurde er von Ahmet Mithat Efendi unterstützt und verteidigt.

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Nach all diesen Erfolgen begann der Vorgang zum Suizid natürlich 1885 mit dem Tod seines anderthalb Jahre alten Kindes. Ein Jahr später starb die Mutter von Beşir Fuad, der schon unglücklich verheiratet ist, an Paranoia, eine Geisteskrankheit. Beşir Fuad drückte immer aus, dass er davor Angst hat, wegen seiner Erlebnisse eines Tages verrückt zu werden.

Beşir Fuad schrieb in den Briefe an seinen langjährigen Freund Ahmet Mithat Efendi, wie er Selbstmord begehen wird, was er währenddessen fühlen wird, und dass er seinen Kadaver der medizinischen Fakultät verschenken will, die damals Kadaver benötigt. Er sagte: „Da ich mein Leben lang die Wissenschaft bediente, will ich auch das Gleiche für meine Leiche.“

„Während meines Selbstmords werde ich die Wissenschaft verwenden; ich werde Chlorid-Kokain injizieren, wo sich irgendeine Arterie befindet. Nachdem ich dort gefühllos mache, werde ich die Arterie aufschneiden und an Blutentleerung sterben. Während das Blut fließt, werde ich Maßnahmen ergreifen wie z.B. die Arterie festhalten, und nie aufgeben, obwohl das Überleben möglich ist.“

Beşir Fuad sagte in seinem Brief, dass sein Selbstmord besonders sein wird. Er wollte das zeigen, dass er es wirklich will, obwohl er aufhören kann. Er drückt in seinem Brief es so aus:

„Dichter zeigen viel von ihrem Heldentum, aber wenn es um Tun geht, ich glaube nicht, dass sie so standhaft bleiben könnten. Dieser Selbstmord ist nicht wie schießen, sich erhängen oder ins Wasser springen. Wenn man diese einmal versucht, kann man freiwillig aufhören.“

Da er nicht wie seine verrückte Mutter sterben wollte, beschloss er ein Jahr später nach all diesen Erlebnissen zu seinem Selbstmord, den er schon lange Zeit geplant hatte. Am fünften Februar 1887 injizierte er sich Chlorid-Kokain und schnitt ihm die Pulsadern auf in seinem Haus, das sich neben der Steilen Straße Cağaloğlu befindet. Er fasste ab, was er fühlt, während er auf den Tod wartete. Manche sagen er erlitte keine Schmerzen und nähme einige seiner Organe heraus, aber das ist kein genauer Fakt. Bevor er starb, hatte er so abgefasst;

„Ich operierte mich, gar keine Schmerzen. Mit dem Blutfluss schmerzt es ein bisschen. Während das Blut floss, kam meine Schwägerin herunter. „Ich schreibe, die Tür ist geschlossen“ sagte ich und schmiss sie raus. Gott sei Dank kam sie nicht rein. Meinen Arm hielt ich stark hoch, damit das Blut fließt. Ein bisschen ohnmächtig…“

Bevor er starb, war er nach seiner Schreie aufgefunden und dann wurde einen Arzt gefunden. „Vergeblich strengen Sie sich nicht an, hab fünf Minuten Lebensdauer.“ waren seine letzte Worte.

Sogar konnte sein Freund Ahmet Mithat Efendi an diesen Selbstmord nicht glauben, den Beşir Fuad vor einem Jahr benachrichtigt hatte. Sein Wunsch, dass seine Leiche ein Kadaver wird, konnte von seinen Freunden vor allem Ahmet Mithat Efendi wegen religiöser Gründe nicht erfüllt werden.

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Die osmanische Gesellschaft, der Selbstmord ganz unvertraut gewesen war, wurde vom Tod von Beşir Fuad beeindruckt. Nachdem das Ereignis in Zeitungen veröffentlicht geworden war, passierten hintereinander Selbstmorde in Istanbul. Dafür verbot Abdülhamid II. die Selbstmordnachrichten in Zeitungen. Dieses Verbot dauerte etwa sechs Monaten, bis Selbstmordereignisse sich verminderten.